Übergänge sind wichtige Phasen im Rhythmus des Lebens. Sie markieren den Weg der Veränderung. Sie sind der Raum und die Zeit für Abschied und Neuorientierung. Insofern wirken sie unterstützend im Umgang mit Wandel. Wenn wir offen sind für das „nicht mehr“ und „noch nicht“, wenn wir uns von dieser „Undefiniertheit“ nicht verunsichern lassen, sondern neugierig sind auf das Potenzial, das in dieser „Leere“ enthalten ist, werden Entwicklung, Lebendigkeit und schöpferische Kraft freigesetzt. Es gibt große und kleine Übergänge – lange und kurze, die wir alle durchleben. Sie alle haben eine Funktion , wie das Frühjahr das aus Pflanzen, Tiere und Menschen nach einer Zeit der Sammlung und Ruhe zurück führt ins pralle Leben des Sommers. Der Herbst, der die umgekehrte Bewegung unterstützt – in dem sich Pflanzen und Tiere von Fülle, Hitze, Helligkeit und nach außen gerichteter Aktivität verabschieden, bis sie im Winter vollkommen zur Ruhe kommen. Wir Menschen folgen diesem Rhythmus schon lange nicht mehr. Trotzdem bewegt sich das Leben kontinuierlich im Auf- und Abschwellen, Füllen und Leeren, Kommen und Gehen von einem Pol zum anderen – vom Werden zum Vergehen und wieder Werden. Was nicht auf diese Weise schwingt, strömt und pulsiert, dem fehlt es an Lebendigkeit.

 

Mir hilft es, mir immer wieder dieser Wellen bewusst zu werden. So verlieren dunkle Täler ihren Schrecken und bekommen Höhenzüge noch mehr Glanz auf meiner Wanderung durchs Leben. Wenn ich merke, dass sich eine Hochzeit, die mit Begeisterung, Erfolgsgefühlen, Kontaktfreude, Tatendrang und Leichtigkeit einherging, dem Ende zuneigt, wehre ich mich nicht mehr dagegen. Halte nicht mehr krampfhaft an dieser Stimmung und dieser Situation fest. Ich nehme Abschied vom Gipfel und wandere ohne Angst und Wehmut Schritt für Schritt ins Tal. So vermeide ich einen bösen Absturz und kann unterwegs noch immer Wunderbares erleben und entdecken. Ich weiß, wenn ich am Tiefpunkt angelangt bin, werde ich mich von den Strapazen ausruhen, um für den nächsten Aufstieg bereit zu sein. Wenn ich zu diesem Nullpunkt ja-sagen kann, haben Depression und Angst keine Chance mehr.

 

Kraft sammelt sich am tiefsten Punkt. Von hier aus steigt sie an, dehnt sich aus und versetzt uns in Bewegung.

 

Dieses Auf- und Abschwingen vollzieht sich von Moment zu Moment. Jede Minute hat einen eigenen Höhe- und Tiefpunkt, jeder Tag, jedes Jahr. Jede Begegnung, jedes Projekt, jede Krise, jede Erfahrung trägt in sich ein An- und Abschwellen der Energie. Je mehr wir auf diesen Energiefluss in unserem Leben achten, desto leichter fällt es uns die Gunst der Stunde mit Fülle, Saus und Braus, Erfolg und Freude voll und ganz in uns aufzunehmen und uns daran zu laben. Und es fällt uns leichter loszulassen, wenn Dinge, Beziehungen, Gedanken, Situationen nicht (mehr) nährend sind. Wenn wir selbst mehr mit den natürlichen Rhythmen des Lebens verbunden sind, wächst in uns das Verständnis für „Werdegänge“ und hilft uns mehr Geduld, Unterstützungsbereitschaft, Anteilnahme und Toleranz gegenüber fremden „Lebensläufen“ zu entwickeln.

 

Vielleicht magst Du das neue Jahr mit einem Experiment starten und Übergänge erkunden. Achte einmal darauf,

 

  • wie Du in den Tag startest – ist es ein allmähliches Fahrt aufnehmen, oder springst Du kopfüber in die Welt, und checkst mit dem ersten Augenaufschlag Deine Emails?
  • wann Du im Laufe des Tages die meiste Energie hast – wofür verwendest Du sie? Für Kreativität, Begegnung, Bewegung oder für Verdauung, Excelltabellen und Emails?
  • Wie beendest Du den Tag? Hast Du Rituale, mit denen Du den Tag ausklingen lässt, oder stehst Du vom Computer auf und legst Dich ins Bett?

 

Halte für einen Augenblick inne und reflektiere an welchem Punkt Du im Kontext der Pandemie stehst. Ist es ein Ab- oder Aufschwung? Bist Du an einem Tiefpunkt und kämpfst dagegen an, oder erlaubst Du Dir still zu sein und Kraft zu sammeln. Wenn Du spürst, dass Du wieder zu Kraft kommst, wofür nutzt Du Deine gewonnene Energie? Legst Du den Schalter um und stürzt dich auf alte, vertraute, vermisste Aktivitäten? Oder nimmst Du Dir Zeit, um Dich im wahrsten Sinne des Wortes, mit Neugier und Offenheit in die Welt hineinzubewegen, als wäre es das allererste Mal? Nichts davon ist „richtig“ oder „falsch“, wir können auch übermütige Kopfsprünge wagen und genießen. Doch nach dem Gesetz des Ausgleichs ist es sehr wahrscheinlich, dass ein hohes Hoch auch ein tiefes Tief nach sich zieht. Wenn Du bereit bist, dieser ausgleichenden Gegenbewegung Raum zu geben, spricht nichts gegen einen Köpper ins pralle Leben. Andere werden vielleicht langsam, Schritt für Schritt vom Nichtschwimmerbecken ins Tiefe waten. Wichtig ist, dass wir die verschiedensten Bewegungen, Rhythmen, Tempi voller Achtung betrachten und sie als unterschiedliche Ausdrucksformen des selben, einen Lebensstroms begreifen.

 

Wenn Du magst, nutze die nachstehend beschriebene Meditation, um regelmäßig bei Dir selbst einzuchecken. So lernst Du Deinen eigenen Energiestrom wahrzunehmen, ihn effektiv zu nutzen und zu pflegen.

 

Energie-Check

 

Eine Achtsamkeitsübung um Dich mit Deinem natürlichen Energiefluss vertraut zu machen.

 

Verweile bei jedem Schritt einige Atemzüge. Insgesamt kann diese Übung ungefähr 3-7 Minuten in Anspruch nehmen. Du kannst deinem eigenen Zeitempfinden folgen oder einen Wecker stellen. Für ein smartphone gibt es zum Beispiel Meditations-Apps in denen individuelle Zeitspannen eingestellt werden können. ODer Du folgst meiner Audio-Anleitung….

 

 

 

Schritt 1 – ACHTSAMKEIT

 

Bring deine Aufmerksamkeit in den gegenwärtigen Moment, indem du bewusst eine aufrechte und würdevolle Haltung einnimmst und schließe wenn möglich entspannt die Augen. Dann frage dich:

 

„ was nehme ich in diesem Moment wahr?“

 

                  … woran denke ich gerade?

                  … welche Stimmung, welche Gefühle nehme ich wahr?

                  … wo im Körper tauchen konkrete Empfindungen auf? Welcher Art sind sie?

 

Gehe zügig vom Denken, zum Fühlen zum Empfinden, ohne den einzelnen Erfahrungen tiefer nachzugehen. Diese Wahrnehmung dient einer kurzfristigen, momentanen Bestandsaufnahme

 

Schritt 2 – SAMMELN

 

Bringe nun deine gesammelte Aufmerksamkeit zu deinem Bauch und verfolge hier die Empfindungen, die mit dem Ein- und Ausströmen deines Atems einhergehen. Erlaube dem Atem dabei so zu sein, wie er jetzt ist. Einfach in der Bauchregion mitbekommen, wie Atem ein- und ausströmt. Begleite auf diese Weise deinen Atem ein paar Züge lang mit deiner Aufmerksamkeit. Wann immer du bemerkst, dass du abgeschweift bist, kehre freundlich aber entschieden zu deinem Atem zurück. Setze das für einige Runden fort, ohne etwas Bestimmtes erreichen zu wollen.

 

Schritt 3 – AUSDEHNEN

 

Dehne nun das Feld deiner Aufmerksamkeit aus. Lass es von deinem Atem ausgehend weit werden, bis deine Wahrnehmung deinen Körper als Ganzes erfasst, einschließlich deiner Haltung und deines Gesichtsausdruckes. Behalte dabei Kontakt zu deinem Atem. Wenn du magst, kannst du dir dabei vorstelle, dass sich dein Geist weitet und entspannt.

 

Schritt 4 – ENERGIE wahrnehmen

 

Zum Abschluss der Übung stell Dir folgende Frage und lass zu, dass die Antwort spontan und ungefiltert auftaucht: Ist meine Energiekurve im Auf- oder Abschwung – erinnere Dich, beides ist Ausdruck unserer Lebendigkeit und gehört zu einem gesunden Lebensstrom dazu. Auf- oder Abschwung. Und frage Dich weiter: Welche Handlung wäre diesem Moment gemäß.

 

 

Schritt 4 – WEISE HANDLUNG

Finde eine kurze Aktion ( 3 Min) die jetzt, in diesem Moment im Einklang mit Deinem Lebensstrom ist . Vielleicht bewegst Du Dich, legst Dich hin, trinkst oder isst etwas, wärmst Dich, lässt Dich von einem Witz zum Lachen bringen oder sagst jemandem „Hallo“.

 

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