Ich gehe gerade durch eine Zeit intensiver Gefühle. Die brutale Wunde, die der Braunkohletagebau in die Erde und unsere Schutzatmosphäre schlägt ist für mich nicht mehr nur ein politisches Thema von vielen. Ich war vor Ort am Hambacher Forst und das hat mich verändert. Ich kann nicht mehr über Klimakrise denken…. ich fühle sie. Ich empfinde den Schmerz und die Angst die jene Menschen erleben, die schon jetzt dabei sind ihre Heimat und Lebensgrundlage zu verlieren. Ich fühle die Verzweiflung der jungen Menschen auf den Demonstrationen, die hier um ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder kämpfen. Es zerreisst fast mein Herz zu hören und zu sehen, wie sich viele Verantwortliche in Politik und Wirtschaft verhalten. Die Rhetorik ist durchdrungen von Abwehren, Vorwerfen, Hinhalten, Leugnen, Angreifen, Verteidigen. Als gäbe es soetwas wie „wir hier“ und „die da“. Dabei sitzen wir alle im gleichen Boot.  Eine Aktivistin hat es treffend ausgedrückt – die Baumbewohner machen das nicht für sich selbst, sie machen es auch für die Mitarbeiter von RWE, für die Politiker, die Polizisten, für deren Kinder, sie versuchen den Wlad zu retten auch für all diejenigen, die sich vor der Tatsache verschliessen, dass wir nur im Einklang mit der Natur leben können und Geld nicht essen können. Während sie das sagt fließen ihr Tränen über die Wangen und ich fühle ihre Leidenschaft für das Leben, ihre Liebe für die Menschen, die Tiere, die Pflanzen. Das ist ansteckend und tut gut – aber diese Liebe brennt auch, denn sie berührt ein Gefühl von Ohnmacht in mir. Niemand von uns hat einen Schalter, mit dem wir diese Konflikte abstellen und befrieden können. Wir müssen sie aushalten und aushandeln. Wir dürfen uns nicht von unseren Gefühlen überrollen lassen – uns nicht von Zorn, Angst und Ohnmachtsgefühlen leiten lassen, damit wir handlungsfähig und gesprächsbereit bleiben. Doch wohin mit diesen Gefühlen – sie sind ja da. Ich bin in diesen Tagen wieder dazu übergegangen jeden Morgen die Dynamische Meditation zu machen. Eine aktive Meditation die OSHO entwickelt hat, damit der zivilisierte Mensch, der so viel Chaos in sich trägt überhaupt in die Stille finden kann – an diesen inneren Ort, an dem wir erkennen wer wir sind, was das Leben ist, was Weisheit und Wahrheit sind. Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, sich in die Stille der Meditation zu begeben, wenn innen drin Nervosität, Rastlosigkeit, Druck und andere Nebenwirkungen von ungelösten Gefühlen herrschen. Daher hat OSHO eine Methode entwickelt in der zunächst Energie im Körper und Geist in Bewegung versetzt wird (durch chaotisches Atmen), dann folgt eine Phase in der alles mit dem Körper ausgedrückt wird, was in dieser Energie gebunden ist. Diese ersten beiden Phasen wirken im Grunde wie eine körperpsychotherapeutische Sitzung, man richtet die Aufmerksamkeit nach innen und erlaubt dem Körper sich auszudrücken. Über diese Phase gibt es viel zu sagen, sie ist hoch spannend und kann sehr heilsam sein, sie kann aber auch dazu führen, dass Menschen sich in ihre Gefühle reinsteigern und sich in ihnen verlieren. Hier braucht es gute Begleitung. In der dritten Phase wird die Energie wieder zentriert, gesammelt – und zwar im Becken. Das geschieht dadurch, dass man die Fersen auf den Boden fallen lässt und die komprimierte Luft mit der Silbe Huh ausstößt. Die bisherigen drei Phasen sind im Grunde Vorbereitungsphasen, um nun in der vierten Phase, in absoluter Stille nach Innen zu gehen, alles TUN fallen zu lassen, und Zeuge zu werden für das eigen SEIN. In der fünften Phase geht es darum, sich allmählich wieder in die Außenwelt zu bewegen, dabei den Kontakt nach innen zu halten und das Leben, sich selbst und den Moment zu feiern. Diese aktive Meditation hat mich in den Tagen des äußeren und inneren Chaos wieder zu mehr Klarheit geführt. Ich konnte mich von schädlichen Gefühlen und Gedanken reinigen und mich mit meiner Mitte verbinden. Von hier aus kommt die Kraft um morgen wieder mit Mut, Zuversicht, Entschlossenheit und tiefem, verkörperten Mitgefühl, gewaltfrei in den Hambacher Forst zu gehen und dort meinem brügerlichen Protest und meiner Forderung nach einer ökologisch-sozialen Wende Ausdruck zu verleihen. Mit der gewonnenen Kraft kann ich ins Handeln kommen – besonnen, geduldig und voller Lebensenergie. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich mich soeben entschieden, im nächsten Jahr Workshops zu den aktiven Meditationen von OSHO anzubieten. Wer interessiert ist, findet Ankündigungen auf meiner Webseite oder in meinen nächsten Rundbriefen.