Wie oft erleben wir, dass wir uns etwas vorgenommen haben und nach einer Weile feststellen müssen, dass wir es nicht wahr gemacht haben. Silvestervorsätze, gesunde Ernährung, Sport treiben, einer lieben Tante zum Geburtstag gratulieren. Wenn es uns dann Wochen oder Monate später bewusst wird, dass wir von unserem Weg abgekommen sind, sind wir frustriert. Aber auch, wenn wir abends im Bett liegen, mit dem Gefühl unheimlich busy gewesen zu sein, und doch nicht so richtig was geschafft zu haben – steht dahinter oft die Tatsache, dass uns die Konzentration abhanden gekommen ist: Die Konzentration auf das Wesentliche. Denn nur, wenn wir uns dem zuwenden, was wirklich wichtig ist, finden wir Genugtuung und Zufriedenheit – können wir erfolgreich, glücklich und zufrieden sein. Unzufriedenheit ist also häufig eine Folge von fehlenden Prioritäten und von der Unfähigkeit mit der Aufmerksamkeit bei dem zu bleiben, was wichtig ist. Studien haben gezeigt, dass der moderne Mensch 46,9% seiner wachen Zeit mit seiner Aufmerksamkeit nicht bei der Sache ist. Mit anderen Worten im Geiste abschweift. Eigentlich nicht auszudenken was das für unser aller Leib und Leben bedeutet, wenn wir an Berufskraftfahrer, Chirurgen, Soldaten oder Politiker denken. Aber man muss gar nicht in die Extreme gehen – was bedeutet es für unsere eigene Produktivität, wenn uns für unser Tun nur die Hälfte unserer Energie zur Verfügung steht. Denn auch das ist ein Fakt: Unsere Energie fließt dorthin, wohin sich unsere Aufmerksamkeit richtet. Sind wir abgelenkt und in Gedanken zum Beispiel mit Grübeln, Sorgen, Sehnsüchten oder Vorurteilen beschäftigt, wird in diesen Gedanken rund 50% unserer gesamten Energie gebunden. Da unsere Gedanken überwiegend mit Dingen beschäftigt sind, die längst geschehen, vorbei und nicht mehr zu ändern sind – oder mit Dingen, die noch gar nicht eingetreten sind, vergeuden wir die Hälfte unserer Energie auf Dinge, die nicht relevant sind. Das allein führt schon zu einem Gefühl der Unzufriedenheit, wenn nicht sogar Hilflosigkeit. Die Hälfte unseres Potenzials liegt also brach, wenn wir nicht voll auf die Menschen, die Handlungen, die Gedanken konzentriert sind, die jetzt in diesem Moment wichtig sind. Sie mögen entgegnen, dass es sehr wichtig sein kann, über die Vergangenheit nachzudenken. Im Geiste zum Beispiel noch einmal durchzugehen, was in der Unterhaltung mit dem Kollegen vorhin schief gelaufen ist und warum Sie so verärgert auseinander gegangen sind – das muss doch irgendwie bearbeitet werden. Sicher, doch wenn Sie während dessen bereits mit ihrer Chefin im Gespräch sind, Ihre Partnerin anrufen oder die Kinder vom Kindergarten abholen ist es keine gute Idee zu 50% bei dem Kollegen von vorhin zu sein. Denn dann wird auch die Begegnung mit Ihrem Mann, Ihren Kindern oder Ihrer Chefin auf Sparflamme ablaufen und Sie nicht wirklich beglücken. Die Fähigkeit zu entscheiden, wann wir uns auf was konzentrieren wollen ist ein Schlüssel zum Glück. Die meisten von uns sind aber Sklaven ihrer permanent abschweifenden Aufmerksamkeit und nicht wirklich Herren im eigenen Haus. Wir folgen unserer Aufmerksamkeit willenlos überall hin. Wir folgen ihr in das Dickicht von Sorgen Sehnsüchten, Zweifeln, Hoffnungen, Erwartungen und werden ängstlich, neidisch, zornig oder hart gegen uns selbst und andere. Ein erster Schritt Richtung Zufriedenheit wäre daher, zu üben, sich auf das zu konzentrieren, was jetzt gerade ansteht: dieser Artikel zum Beispiel. Halten Sie kurz inne und überprüfen Sie, ob irgendwo in Ihrem Hinterkopf bereits Gedanken an das Mittagessen, die letzte Besprechung, Ihren nächsten Urlaub herumspuken und die Hälfte Ihrer Aufmerksamkeit unbewusst auf sich ziehen. Bringen Sie Ihre volle Konzentration zurück zu diesen Zeilen und machen Sie das Lesen des Textes zu einer willkommenen Konzentrationsübung. Jedes Mal, wenn Sie zum Wesentlichen zurückkehren, trainieren Sie ihre Konzentrationsfähigkeit. Seien Sie also nicht zerknirrscht, wenn Sie hundertachtundsiebzig Mal abschweifen – das gibt Ihnen hunterachtundsiebzig Trainingsgelegenheiten.

 

Wir Menschen des 21. Jahrhunderts haben es besonders schwer. Die digitale Informationsgesellschaft lebt vom permanenten Datenaustausch und wir werden mit Informationen überflutet. Es gibt kaum noch Rückzugsorte, wo nicht Smartphones, Bildschirme, Verkäufer, Politiker, Familie, Freunde & Kollegen um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Und je mehr wir diesen Rufen folgen, desto mehr wird es zu unserer Gewohnheit uns ablenken zu lassen. Je häufiger wir aus der Konzentration gerissen werden und uns ablenken lassen, desto mehr verlernen wir ganz bei der Sache zu bleiben. Und wir bekommen auch nicht mehr mit, welche wahren Bedürfnisse, welche kreativen Talente und welche beglückenden Möglichkeiten in uns selbst schlummern. Alle großen Weisheitslehren die christlich geprägten ebenso wie die aus dem asiatischen Kulturkreis vertreten die Ansicht, dass das menschliche Glück auf drei Pfeilern steht: Ethische Lebensführung, Einsicht in die Natur der Dinge und eine stabile Konzentration und Aufmerksamkeit. Alle drei Aspekte lassen sich mit gezielter Übung kultivieren – es liegt also bei uns, dem Glück auf die Spur zu kommen.