family_dad_with_boy_2cWir Menschen sehnen uns nach guten Beziehungen – wir streben danach Partnerschaften einzugehen und zusammen mit anderen etwas zu produzieren, zu kreieren, ins Leben zu bringen. Wir gründen Familien, Unternehmen, Vereine und Parteien um unser Leben zusammen mit anderen erfolgreich zu gestalten. Doch so groß die Sehnsucht nach einem glücklichen und erfolgreichen Miteinander ist, so sehr schmerzt es uns, wenn es nicht so läuft wie wir es uns vorstellen. Sind unsere Sehnsüchte und Hoffnungen bedroht, geraten wir unter Druck und reagieren auf Unstimmigkeiten wie ein angeschossenes Tier – schalten auf Angriff oder ziehen uns zurück. Ohne es zu beabsichtigen, entziehen wir damit der Beziehung zu unseren Partnern, Kollegen, Kunden, Kindern und auch zu uns selbst den Boden. Statt uns offen und mutig für Verständnis und gemeinsames Wohlergehen einzusetzen, verstricken wir uns tiefer in Aversion, Angst, Hass, Gier und Neid. Doch kein Krieg – weder einer den wir gegen uns selbst und unsere unerwünschten Gedanken und Gefühle führen, noch ein Krieg gegen Eltern, Ex-Partner, Kollegen, Nationen oder Religionen führt zu wahrem Erfolg, Gesundheit und Glück. Kriege zerstören und bringen nur Verlierer hervor. Umfassendes Wohlergehen entsteht auf dem Boden von Wohlwollen – für uns selbst und andere. Dies gelingt jedoch nicht allein durch Willenskraft. Zu viele Funktionskreise in unserem Organismus sind von evolutionären Überlebenskämpfen geprägt, und verleiten unsere Neurobiologie, unser Nervensystem, unsere Muskeln, Organe und Gelenke all zu schnell zu Kettenreaktionen von spontanem Kampf- und Fluchtverhalten. Es braucht ein aufrichtiges Bemühen, um diese Automatismen zu überwinden und wahre Menschlichkeit zu entwickeln. Wir können uns von Angst, Ablehnung, Hass, Gier und Abscheu kurieren, wenn wir Achtsamkeit nutzen wie einen guten Arzt. Achtsamkeit versetzt uns nämlich zunehmend in die Lage:

  1. Genau zu untersuchen und wahrzunehmen
  2. die wahren Ursachen für Angst, Wut und Kummer in einer konkreten Situation zu diagnostizieren
  3. das passende Gegenmittel für diese konkrete Situation zu bestimmen und einzusetzen
  4. die allgemeinen Abwehrkräfte zu stärken und Früherkennung zu fördern

Eine gute Medizin wird individuell und situationsabhängig auf den Patienten abgestimmt. Für den einen Menschen kann es zum Beispiel bei aufkommendem Neid hilfreich sein, sich darauf zu besinnen, was er Gutes hat in seinem Leben – sodass Dankbarkeit als Gegengift wirken kann. Eine andere Person findet vielleicht über Mitfreude aus dem giftigen Sumpf des Neides heraus. Einer vierten Person könnte es Trost spenden, anzuerkennen dass sie es im Moment schwer hat, und ein schmerzhaftes Verlangen spürt. Kein Mensch gleicht einem anderen und keine Situation gleicht einer anderen. So dass wir immer wieder neu schauen müssen, was uns jetzt in diesem Moment zu schaffen macht und was Lösung bringen könnte. Doch für alle Menschen gilt zu jeder Zeit, dass sie ihr einzigartiges menschliches Potenzial, ihre Kreativität, Intelligenz und ihr Mitgefühl unter Druck und Anspannung nicht voll ausschöpfen. Zu menschlichen Höchstleistungen gelangen wir mit Entspannung, Aufmerksamkeit und Wohlwollen – in einem Wort mit Achtsamkeit.

Es gibt verschiedene Methoden durch die wir Achtsamkeit entwickeln können. Über die längste Tradition verfügen sicherlich die buddhistischen Meditationsanleitungen wie die Shamata und Vipassanapraxis, die auch den MBSR-Kursen und der Arbeit von Potential Project zu Grunde liegen. Für mich ist darüber hinaus auch die Aufstellungsarbeit ein wichtiges Instrument, um die Auswirkungen von Ablehnung, Angst und Hass zu erkennen und hilfreiche Gegenbewegungen einzuleiten. Vielleicht möchtest Du dich von den Beschreibungen der Seminare und Workshops inspirieren lassen und deinen eigenen Weg finden, mehr Achtsamkeit in dein Leben zu bringen. So dass sich auch dein Leben glücklich und erfolgreich entwickeln kann.